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Marlenes Fotoabenteuer – Der Linzer Untergrund
Hauptgang des Limonistollens in Linz

Marlenes Fotoabenteuer – Der Linzer Untergrund

Mit diesem Blogeintrag starte ich eine neue Kategorie:

Marlenes Fotoabenteuer

Ich fotografiere ja nicht nur beruflich, sondern auch privat. Ich experimentiere gerne mit verschiedensten Techniken, liebe natürliches Licht (freunde mich mit Blitzen aber immer mehr an) und besuche ungewöhnliche Orte mit meiner Kamera.

Der Limonistollen. Linzer Luftschutzbunker des WWII

Heute konnte ich zum Beispiel einer Führung durch den Linzer Untergrund beiwohnen. Eineinhalb Stunden lang ging es mit zehn anderen Interessierten durch den Limonistollen, einen riesigen Luftschutzbunker, den Hitler im Zweiten Weltkrieg bauen ließ.

Ich war dort vor etwa acht Jahren schon einmal, nachdem ein Bekannter durch Zufall auf einen Eingang gestoßen war. Ohne Plan und Vorbereitung marschierten wir damals zu viert mit Fackeln bewaffnet in den ersten großen Gang und machten uns da schon beinahe ins Hemd. Stetiges Tropfen hallte durch das Gewölbe, scheinbar von allen Seiten kommend. Die Luftfeuchtigkeit in diesen Tunneln ist zum Teil sehr hoch, sodass sich über die Jahrzehnte Stalagtiten gebildet haben. Von einem dieser Stalagtiten fiel in gleichmäßigem Rhythmus alle paar Sekunden ein Tropfen auf eine Plastikplane. Als wir das herausfanden, trauten wir uns weiterzugehen. Die Fackeln waren nicht die beste Idee, denn das flackernde Licht und die ständige Angst, sie könnten ausgehen, brachten uns bald dazu, die Erkundungstour abzubrechen. Wir kamen später noch einmal, besser ausgerüstet und dann auch mit Kamera.
Seit acht Jahren brannte ich darauf, wieder dorthin zurückzukehren, diesmal mit besserer Kamera und viel mehr Übung.

Heute war es also endlich so weit – die Aufregung war nicht mehr so groß wie damals, aber die Entdeckerfreude ungebrochen. Wir wanderten durch den Stollen, bekamen alle paar hundert Meter interessante Hintergrundinformationen und hätten letzten Endes alleine nicht mehr hinaus gefunden. Trotz Taschenlampen und der elektrischen Beleuchtung in manchen Gängen. Wie wäre das erst in der kompletten Dunkelheit, die uns umhüllt hatte, nachdem alle die Lampen für einen Moment ausgeschaltet hatten? Ein beklemmendes Gefühl.

Hintergrundinformationen durch den Tour Guide

Der Luftschutzbunker wurde von Zwangsarbeitern gegraben, politischen Gegnern Hitlers oder Arbeits- und Obdachlosen, sogenannten „Antisozialen“. Sie bekamen oft wochenlang kein Tageslicht zu sehen. Wenn sie nicht mehr arbeiten konnten, wurden sie in Konzentrationslager Mauthausen geschickt, weshalb im Stollen selbst verhältnismäßig wenige Menschen ums Leben kamen.

Am 25. Juli 1944 kam es zum ersten Mal zu einem Luftangriff in Linz. Da der Fliegeralarm aber vorher schon viele Male fälschlicherweise ausgerufen wurde, suchten viele der Linzer keinen Bunker auf.
Denkt man über die Geschichte nach, die hinter den Bauten liegt, während man durch die Gänge wandert, bekommt man ein mulmiges Gefühl. Obwohl wenig daran erinnert, dass sich einmal mehrere tausend Menschen darin aufhielten, scheint der Ort noch zu sprechen.

 

Wenn ihr den Linzer Untergrund selbst erleben wollt, könnt ihr hier eine Tour buchen:
http://www.limonistollen.at/

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